Lebendiger Brauch im Jahresablauf
Die folgenden Bilder zeigen Ihnen einen kurzen Ausschnitt aus dem Buch „Bei uns im Oberen Lechgau“.
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Der Colomansritt
Nicht ganz zehn Minuten von Schwangau entfernt steht die Wallfahrtskirche St. Coloman
Sie ist einem Heiligen geweiht, der gar nicht so sehr bekannt ist. Coloman soll ein irischer Königssohn gewesen sein, der um das Jahr 1000, wie so viele fromme Christen damals, zu einer Pilgerfahrt nach Palästina aufbrach. Sein Weg führte durch Deutschland und Österreich in den damaligen Grenzbereich der Baiern und Mährer. Weil sich die Baiern und Mährer zu dieser Zeit feindlich gegenüberstanden, waren sie Fremden gegenüber mißtrauisch. Bei Stockerau, etwa drei Wegstunden vor Wien, wurde Coloman aufgegriffen und wegen seiner eigenartigen Kleidung als Spion angesehen und gefoltert. Auch seine Beteuerung, nur ein „Armer Christi“ zu sein, nützte nichts. Am 17. Juli 1012 wurde Coloman an einem dürren Holunderbaum aufgehängt. Da sich seine Unschuld bald herausstellte und an seinem Leichnam Wunder geschahen, ordnete der damalige Landesherr am 13. Oktober 1014 die feierliche Überführung der Gebeine von Stockerau in die Stiftskirche nach Melk an.
St. Coloman galt in der Folgezeit als Schutzpatron der Ritter und später des Vieh’s. Deshalb stehen seine Kirchen häufig im freien Felde und dienen zu Flur- und Bittprozessionen. Dort, wo jetzt die prächtige Kirche St. Coloman steht, stand in früherer Zeit eine Kapelle. Ober sie ist nicht viel zu vermitteln; auch ist nicht bekannt, wann sie gebaut wurde. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 1429, als Weihbischof Albert von Augsburg einen Ablaßbrief für alle diejenigen ausstellte, welche in der Kirche beteten und ein Almosen spendeten. Weil die Zahl der Wallfahrer zu dieser Kapelle immer größer wurde und aus den Spenden schon ein beträchtlicher Grundstock angelegt war, ließ Pfarrer Johannes Lieb von Waltenhofen Pläne für ein neues, größeres Gotteshaus fertigen. In einer Bittschrift an den Kurfürsten bat er im Jahre 1671 um Baugenehmigung. Sie wurde erteilt und daraufhin St. Coloman von 1673 bis 1678 erweitert. In der Hauptsache waren es einheimische Handwerksmeister, Maurer, Zimmerleute, Schreiner und Schlosser, die dort bauten. Die herrliche Stukkierung im Inneren der Kirche, das Eindrucksvollste und Sehenswerteste, stammt von Johannes Schmutzer. Er galt als Meister der Barockstukkatur. Am 9. Mai 1685, nachdem auch noch der Turm fertiggestellt war, erteilte Weihbischof Johann von Eglof die kirchliche Weihe.
Das Besondere an dieser Kirche ist, daß seit ihrem Bestehen keine „falsche“ Restaurierung vorgenommen wurde.
Trotz des teilweisen Niedergangs der Wallfahrten haben Bräuche Jahrhunderte überdauert. Einer der bekanntesten und beliebtesten ist der Colomansritt mit Viehsegnung.
Wann dieser Colomansritt erstmals stattgefunden hat, ist nicht bekannt. Es muß angenommen werden, daß die ersten Umritte in die Zeit des 15. oder 16. Jahrhunderts zurückreichen. St. Coloman bei Schwangau war zu damaliger Zeit ein Mittelpunkt. Strömten doch die Pilger am Colomanstag, den 13.10., von weither zu diesem Gotteshaus, wobei sicher ein Großteil zu Pferd geritten kam. Ja, es hat ein richtiges Fest stattgefunden und Kaiser Karl der V. hat in einer noch erhaltenen, gesiegelten Urkunde vom 5. Februar 1552 den Freiherrn von Hohenschwangau, den Brüdern Johann Georg und David von Paumgarten, das Recht erteilt, am Colomanstag „jährlich und hinfür ewiglich“ einen Markt aufzurichten und abzuhalten. Dieses Recht wird auch heute noch in Anspruch genommen. Den Verkauf von Würsten und Getränken nahm z. B. bis 1976 die Familie Linder (Postwirt) wahr; er ist jetzt von der Interessengemeinschaft übernommen worden. An anderen Ständen können Brezen, Semmeln, Obst und Süßigkeiten gekauft werden. Der Colomanstag ging auch in das Wirtschafts- und Rechtsleben ein. Besondere Bedeutung fand er als Zins- und Diensttag. Galt doch der 13. Oktober als Rückzahlungstermin von Darlehen und Schulden. Ebenso waren Versprechen einzulösen. So gilt heute noch für eine kleine Dienstleistun- unterm Jahr der Begriff „derfür kriagst am Colmestag an Äpfl“.
Die erste schriftliche Erwähnung der Colomansbräuche in einer Schwangauer Chronik finden sich in den Aufzeichnungen von Benefiziat Ignaz Albrecht aus dem Jahre 1856.
Noch vor 40 und 50 Jahren war es üblich, daß der Firmpate seinem Firmling nach dem Gottesdienst eine Tüte Obst oder ein paar Würstchen mit Brot kaufte. Was dies zu damaliger Zeit bedeutete, kann nur die ältere Generation ermessen. In Schwangau, dort wo jetzt das Wohnhaus von Baumeister Velle steht, war die Schiffschaukel aufgebaut. Sicher erinnern sich Heinrich Velle und seine Geschwister noch an die Zeit, als sie als Grundstückseigentümer unentgeltlich schaukeln konnten; ein Privileg, das hoch im Kurs stand.
Dies größte kirchliche Fest in Schwangau war immer mit dem Ritt verbunden und wurde sehr feierlich als levitiertes Hochamt begangen. Neben den beiden Geistlichen aus der Gemeinde war es zur Tradition gehörend, daß Pater Quardian vom Franziskanerkloster aus Füssen mitzelebrierte. Nach dem Gottesdienst ist die Pferdebenediktion, wobei die mit viel Liebe herausgeputzten und geschmückten Pferde neben der Kirche Aufstellung nehmen. Solange das Jungvieh und die Kühe noch auf die Gemeinschaftsweide kamen, waren auch sie im Feld neben der Kirche zur Segnung aufgetrieben. Anschließend ist der eigentliche Colomansritt, der dreimalige Umritt um die Kirche. Er verläuft nach strengem Reglement. Alle Rosse wurden nach altem Brauch ungesattelt geritten.
Nach der dreimaligen Umrundung der Kirche, die erste im Schritt, die zweite im Trab und die dritte im Galopp, begann das Wettreiten über die Felder und die alte, ungeteerte Straße (heute Alemannenweg) zurück in das Dorf Schwangau. Ehrenvoll war es, dort als erster angekommen zu sein.
Es war aber nicht aufzuhalten, daß das Fest seit Ende des letzten Krieges an Bedeutung verlor. Die Technisierung und Motorisierung auf dem Bauernhof trugen ihr übriges dazu bei. Wer konnte am Colomanstag noch frei machen? Wer hätte es sich leisten können, auf der vielbefahrenen Bundesstraße von Rottenbuch oder gar Ammergau bis nach Schwangau zu reiten? So füllten am Colomanstag nur noch Schwangauer Bauern und ältere Leute die Kirche. Toni Mayr, der damalige Vorstand des Trachten- und Heimatvereins machte den Vorschlag, den Ritt vom Colomanstag, den 13. Oktober, auf den jeweils folgenden Sonntag zu verlegen. Ein guter, den geänderten Verhältnissen angepasster Vorschlag. Aber die Zahl der Pferde wurde dennoch geringer. Wildwuchs schlich sich auch beim Umritt ein. So kam es, daß 1976 nur noch neun Reiter hinter den Kutschen um die Kirche zogen. Ein schöner, alter Brauch schien verloren zu gehen.
Um diese Zeit, es war in den Jahren 1976/77, hat sich der Pfarrherr von Waltenhofen, Geistlicher Rat Leonhard Welzmiller, um die Kirche große Verdienste erworben, als er mit enormem finanziellen Aufwand die Fundamente isolieren und die Außenfassade renovieren ließ. Auch die Vereine des Dorfes hatten ein übriges dazu beigetragen. Aktivitäten aus den Reihen des Trachtenvereins setzten erstmals ein, um den Colomansritt neu zu beleben.
Am 8. Mai 1978 fanden sich in der Drehhütte am Tegelberg erstmals Gleichgesinnte in der Absicht ein, die bisherigen Ansätze zur Belebung und Wiederaufnahme eines alten Schwangauer Brauches zu aktivieren und aufeinander abzustimmen.
Als Vorstandschaft, die sofort mit Vorbereitungen für den Ablauf des Festes und des Colomansritts 1978 beginnen sollte, wurden gewählt:
Vorstand Andi Keck
Stellvertreter Eugen Müller
Nachträglich wurden in den Arbeitsausschuß berufen: Ulli Höß, Josef Kleebauer und Max Plötz, alle als Beisitzer.
Inzwischen sind einige Jahre vergangen und St. Coloman erlebt eine neue Blüte. Seit 1978 standen jeweils mehr als 160 Pferde zum Umritt bereit.
Ein alter dörflicher Brauch lebt nun wieder fort. Und gerne kommen sie wieder, die Reiter mit ihren Pferden aus dem Gemeindebereich Schwangau, aus Buching, Trauchgau, Prem, Steingaden, Ingenried, der Wies, Rottenbuch, Bernbeuren, Burggen, Tannenberg, Füssen, Weißensee, Rieden, Seeg, Roßhaupten, Auerberg, Pfronten, Lengenwang und den anderen Orten. Aus Dank für das Gedeihen des Viehs, aus Freude am Fest und zu Ehren von „St. Coloman uffm Feld“
Josef Kleebauer
Der Leonhardiritt
Wenn wir heute von PS hören, denken wir an die Pferdestärken von schweren Maschinen, aber durch die Jahrhunderte bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte die Stärke der Pferde in Wildsteig: beim Ackern, Mähen, Einfahren und vor allem beim Holztransport. Um 1925 gab es etwa 130 Stuten im Ort, und ein großer Bauer hatte acht bis zehn Rösser im Stall. Die Aufzucht von Fohlen war eine wichtige Erwerbsquelle; sie wurden vor allem von den Ackerbauern aus der Gegend von Landsberg und Erding gekauft. Im Winter gab es Arbeit im Forst: Zu Kirchweih vergab das Forstamt die Holztransporte (alles in Akkord); oft blieben die Bauern wochenlang mit ihren Rössern und Schlitten in Unternogg.
Mit den prächtigen Pferden konnte man aber auch ausfahren und feiern. Ein großes Fest war es, als 1922 der spätere Geistliche Rat Meinrad Klein aus Holz mit 100 Rössern aus Kohlhofen zur Primiz eingeholt wurde. Eine alte Fotografie zeigt den Einzug in die Kirche durch das Spalier der Pferde, alle mit geflochtenen Mähnen, alle Reiter mit weißen Schärpen. Dieser Festzug veranlaßte den Trachtenverein Wildsteig zu dem Vorschlag, einen Leonhardiritt einzuführen, und jedes Jahr einen Festtag der Rösser zu feiern, dem Patron der Pferde und des Viehs, St. Leonhard zur Ehre, Fürbitte und Dank.
1925 fand am Leonhardstag mit Unterstützung der Gemeinde der erste Ritt statt. Vorreiter (l. und 2. Vorstand) waren Georg Müller (Schwalker), See, und Georg Klein (Schneiderler), Holz. Zwischen 70 und 90 Pferde nahmen an dem nun jährlich stattfindenden Ritt teil; bald fuhren auch schöngeschmückte, vierspännige Wagen des Trachtenvereins und der Musikkapelle mit. Seit dem Festzug zur Einweihung der Echelsbacher Brücke (1929) gibt es den Wagen mit dem Kirchenmodell, der heute noch mitgeführt wird. Während der Messe am Leonharditag standen die Pferde damals am Kriegerdenkmal; der Umritt führte am Schluß den steilen Pilgerweg vom Mattheiser zum Kirchberg hinauf. Es gab noch keine Besucher von auswärts; nur ein paar Schulkinder bewundern auf einem Foto der zwanziger Jahre die prächtigen Pferde und Wagen.
Mit der zunehmenden Mechanisierung, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, änderte sich die Rolle des Pferdes. Der Leonhardiverein fand unter seinen Vorreitern Josef Jais (Bußjäger), Linden, Georg Sieber, Morgenbach, Jakob Vilgis (Sacher), Straubenbach, und Josef Sieber, Morgenbach, den richtigen Weg in die neue Zeit.
Als die Zahl der Pferde zurückging, verband man sich mit den Reitern der Nachbargemeinden: die Wildsteiger nehmen am Ulrichsritt der Steingadener und an den Umritten von Rottenbuch und Unterammergau teil, und diese Gemeinden kommen zum Wildsteiger Leonhardiritt, der zur Vermeidung von Überschneidungen jetzt am Kirchweihsonntag stattfindet und mit einem Leonharditanz am Abend beschlossen wird. 1966 wurde eine schöne Standarte geweiht, die auf der einen Seite den Hl. Leonhard, auf der anderen den Kirchberg von Wildsteig zeigt. Es kommen jetzt immer mehr Besucher von auswärts, um den Wildsteiger Ritt zu sehen, der wegen der Einheitlichkeit der Pferde (Pferdezuchtverband Oberland) und der Tracht als einer der schönsten im Oberland gilt; bis zu tausend Menschen zählt man bei der Messe auf der Schulwiese und dem anschließenden zweimaligen Umritt auf dem Leonhardsweg um das Pfarrhaus und dem großen Kreis auf der Perauer Straße und dem Ambrosius-Mößmer-Weg vor der prächtigen Kulisse der Berge. Noch immer gelingt es, bis zu 80 schön geschmückte Rösser zu versammeln, über zwanzig kommen noch aus der Wildsteig. Vorreiter sind jetzt Josef Buchner (Harrer) und Alfred Stadler (Boar), beide aus Peustelsau.
Auch heute gilt noch, was der Schriftführer 1968 ins Protokollbuch geschrieben hat: „Wir hoffen und wünschen, daß unsere Jugend, solange wir noch Pferde besitzen, diesen schönen alten Brauch beibehält“.
Thomas Finkenstaedt
Der Georgi Ritt auf dem Auerberg
Seit 1925 finden in der Zeit des Namensfestes des heiligen Georg, auf dem Auerberg, Pferdeumritte statt. In den Gehöften des ehemaligen Patroziniums Auerberg waren seit alters die Pferde sehr wichtig für die Feldbestellung. Auch in mehreren Sagen des Auerbergs spielen Rösser eine bedeutende Rolle.
So ist es nicht verwunderlich, daß sich in den Wintermonaten des Jahres 1924/25 Männer des Schützenvereins Auerberg aus Oberbayern und Schwaben im Gasthaus „Stechele“ zusammenfanden und sich über den Vorschlag des Schützenmeisters Georg Lipp aus Eschach besprachen, auf dem Auerberg, der ja auch ein Berg des heiligen Georg, des Patrons der Pferde, ist, einen Georgiritt einzuführen.
Man faßte den Beschluß, alle Pferdebesitzer aus den Gemeinden Bernbeuren und Stötten zu einer Versammlung auf den Auerberg zu laden. Diese fand unter großer Beteiligung an einem Sonntag im Februar 1925 statt. Schon nach kurzer Aussprache waren sich alle einig gewesen, daß jeweils am Tag des Patroziniumsfestes auf dem Auerberg ein Georgiritt stattfinden sollte.
Die leitenden Arbeiten für die Vorbereitung des ersten Rittes wurden einem Festausschuß übertragen. Vorsitzender war der schon erwähnte Georg Lipp aus Eschach, dem als weitere Mitglieder Johann Straub von Prachtsried und Alois Kollmann von Geisenhofen angehörten. Darüberhinaus wurden sieben Obteien gegründet, nämlich die Obtei Prachtsried unter Führung von Georg Meier, Prachtsried; die Obtei Bernbeuren mit Martin Kraut; die Obtei Eschach mit Florian Brugger; die Obtei Escherwang mit Josef Angerhofer; die Obtei Salchenried mit Karl Bauer; die Obtei Stötten mit Ferdinand Kollmann und die Obtei Buchen mit Dominikus Kollmann.
Außerdem wurde bei dieser ersten Versammlung bestimmt, daß alle am Ritt beteiligten Pferde mit gleichen Satteldecken ausgerüstet werden. Auch die Anregung zur Bildung einer historischen Gruppe (römische Soldaten) wurde angenommen. Am 25. April 1925 fand schließlich der erste Ritt statt. Es beteiligten sich 118 Reiter, die sich in der Auerberg-Senke, südlich des Gasthauses „Stechele“, um 10.00 Uhr zur Aufstellung einfanden. Nach dem Patroziniumsgottesdienst in der Georgskirche holte die Vorstandschaft den Pfarr-Geistlichen von Bernbeuren, H. H. Kammerer Weishaupt, am Kirchenportal ab und geleiteten ihn zum Weiheplatz. Im Anschluß an die Benediktion setzte sich der Festzug unter den Klängen der Bernbeurer Musikkapelle in Bewegung. Einmal zogen die Reiter um die Auerberg-Kirche. Georg Waibl aus Eschach war der Darsteller des heiligen Georg. Hoch zu Roß begleiteten ihn 20 beharnischte römische Soldaten.
Bereits im folgenden Jahr 1926 einigte sich der Ausschuß, die Pferdehalter aus den Gemeinden Burggen, Lechbruck, Roßhaupten, Sulzschneid, Marktoberdorf und Rettenbach einzuladen. Der zweite Ritt fand am 2. Mai mit 137 Pferden statt. Nur die Gemeinde Burggen folgte der Einladung. Neben den 20 römischen Reitern nahmen auch vier Fanfarenbläser (drei aus Kaufbeuren) teil. Zum erstenmal wirkte am 7. Mai 1927 eine einheimische Fanfarenbläsergruppe mit: Roman Echtler (64 Jahre), Ellensberg; Anton Meier, Goldstein; Nikolaus Wohlfahrt, Brunnhof und Karl Baur, Hohenösch. Nahezu 8 000 Zuschauer erlebten 156 Reiter, darunter auch den Pfarrherrn, Kammerer Weishaupt, zu Pferd. Die Musikkapellen aus Bernbeuren und Stötten gaben dem Reiterzug das Geleit. Das erste Krisenjahr zeigte sich für die Georgsreiter im Jahre 1931. Schlechte Witterung (viel Schnee) und geringe Zusagen der Pferdehalter (ungünstige Wirtschaftsverhältnisse) ließen den Ritt fast nicht zustandekommen. Beim Ritt am 26. April beteiligten sich dann doch noch 72 Reiter. Am 13. Dezember 1931 stimmten von 60 anwesenden Pferdehaltern 50 für die Gründung eines eingetragenen Vereins. Bei der Gründungsversammlung am 20. März 1932 im Gasthaus „Stechele“ auf dem Auerberg haben 82 Männer spontan durch Unterschrift ihren Beitritt zum Georgirittverein Auerberg e.V. erklärt.
Im Jahre 1935, am 5. Mai, wurde die erste Bergfahne des Georgirittvereins Auerberg geweiht. 14 Alt-Bauerngeschlechter der Gemeinde Bernbeuren stellten dabei eine Ahnenabordnung. Am 25. April 1937 nahm zum erstenmal eine Heldengedenkgruppe (zwei Rappen) am Ritt teil. Im September 1939 begann der unselige Zweite Weltkrieg, so daß im Jahre 1940 anstelle eines Rittes ein Bittgang für die glückliche Heimkehr der Soldaten stattfand. Erst am 27. April 1947 konnte wieder ein Georgiritt abgehalten werden, an dem sich gleich 120 Reiter demonstrativ beteiligten.
Besonders hervorzuheben ist die unermüdliche Arbeit von Herrn Nikolaus Fröhlich, der über 22 Jahre den Georgiverein vorbildlich leitete. Ihm ist es zu verdanken, daß der Georgiritt erhalten geblieben ist.
Alle weiteren herausragenden Ereignisse können den hervorragend zusammengestellten Statistiken von Herrn Martin Wohlfahrt, Ehrenbürger der Gemeinde Bernbeuren, entnommen werden. Er war über 25 Jahre Chronist und Ansager des Georgirittes in einer Person.
Manfred Karlinger
Nähere Informationen finden Sie auch auf der Internetseite des Georgiritt-Verein Auerberg e.V.!
Der Steingadener St. Ulrichsritt
Drei Pferdepatrone haben Künstlerhände in der Heiligkreuz-Kirche auf dem Kreuzberg bei Steingaden auf die Decke und die beiden Seitenaltarblätter gemalt: Den heiligen Sieger in der Lechfeldschlacht von 955, den Augsburger Bischof und Diözesanpatron St. Ulrich; die beiden deutschen und alemannischen Schirmherren unserer Rösser: St. Coloman und St. Wendelin. Dies ist wohl Grund genug für die Steingadener, wenigstens einen dieser guten Patrone alljährlich einmal gebührend zu ehren.
Seit „unfürdenklichen Zeiten“, wohl seit der Pestzeit von 1564, als der Steingadener Abt Joachim Wiedemann das Kirchlein zum Heiligen Kreuz auf den grünen Hügel über dem Biberschwöller See errichten ließ und als die Pesttoten der bäuerlichen Gemeinde Fronreiten im Schatten dieses Heiligtums zur letzten Ruhe bestattet wurden, reiten sie dreimal um den Hügel vor den Trauchbergen. Immer am Sonntag nach dem St. Ulrichstag (4. Juli) sammeln sich die Reiter auf dem weiten Steingadener Marktplatz, vor der Kulisse des Welfenmünsters, bevor sie unter dem Vorantritt der Steingadener Blaskapelle nach Süden ziehen. Frohgestimmte Menschen säumen zu beiden Seiten der Füssener Straße den Zug der Reiter und Wagen, der sich zum grünen Hügel bewegt. Liebevoll geziert sind die schweren Pferde aus den Gemeinden Steingaden, Prem, Trauchgau und Wildsteig.
Meist lacht ein strahlender Himmel auf die ungezählten Gläubigen hernieder, die andächtig die Ansprache des Steingadener Pfarrherrn hören, der Eucharistiefeier beiwohnen, die Benedizierung der Pferde, das Heldengedenken und den dreimaligen Umritt erleben. Oft sind es gegen 100 Reiter und Rösser, die den Segen des hl. Ulrich empfangen. Es gehört zu den Erfordernissen der Teilnahme, daß alle Pferdebesitzer in der einheimischen Tracht mittun und die Pferde des Oberländer Schlags von fleißigen Frauenhänden reichlich und stilvoll geschmückt werden. Selbst Landwirte, die kein Pferd mehr halten, haben sich um den St. Ulrichsritt verdient gemacht.
In schöner Ordnung bewegt sich der Zug um die Mittagsstunde wieder talwärts, bis im alten „Klosterhof“ vor den romanischen Westtürmen des Welfenmünsters der Pfarrherr von allen Reitern sich verabschiedet.
Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir feststellen: Der St. Ulrichsritt um den Kreuzberg südlich von Steingaden, der ohne laute Reklame, ohne Festzeichen und ohne Lautsprecher Jahr um Jahr von heimattreuen Menschen durchgeführt wird, gehört noch zu jenen wenigen, volksfrommen Bräuchen, die alt, echt und ehrwürdig zugleich sind.
Dr. Sigfrid Hofmann
Der Funken
Der Funken wird jedes Jahr am ersten Fastensonntag abgebrannt.
Es ist ein Frühlingsfeuer in dem die Freude über das baldige Ende des Winters und das nahende Frühjahr zum Ausdruck kommt. Zum Funken werden nur ausgediente Christbäume und unbehandeltes Holz verwendet und bei Einbruch der Dunkelheit feierlich entzündet.
Bei Blasmusik, Funkenküchle und Glühwein warten die Besucher gespannt, bis die Funkenhexe in Flammen aufgeht und somit der Winter ein Ende hat.











