Die Nachkriegsjahre

Nach der bedingungslosen Kapitulation verboten die Bestimmungen der Besatzungsmacht die Vereinsarbeit, weil im Zusammenhang mit Versammlungen politische Umtriebe befürchtet wurden. Eventuelle Veranstaltungen mußten von Fall zu Fall genehmigt werden.

Ab Herbst 1946 bestand dann die Möglichkeit, existierende Vereine wieder neu zu organisieren. Am 11. Januar 1947 wurde daher wieder eine Generalversammlung abgehalten und die Vereinstätigkeit wieder aufgenommen. Markus Linder übernahm das Amt des 1. Vorstandes. 2. Vorstand wurde Peter Bayrhof, Kassier Xaver Beller und Schriftführer Paul Greiß. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein 72 Mitglieder. 13 befanden sich davon noch in Gefangenschaft.

Im gleichen Jahr konnten wir bereits am Gaufest in Lechbruck mit der Musikkapelle und einem Festwagen - er stellte eine Sennhütte dar und wurde vierspännig gefahren - teilnehmen. Die Trachtler fuhren mit Pferdegespannen zum Gaufest.

Ein Jahr später führte der Verein zum erstenmal wieder ein Theaterstück auf. Damit knüpfte man an die Tradition des Theaterspielens an, die vor dem Krieg bestand. Bis Mitte der 50er-Jahre wurde jedes Jahr an Ostern ein Theater vom Trachtenverein aufgeführt. Ab 1954 übernahmen das die Heimkehrer.

Trotz vielerlei Bedenken organisierte der Verein am 1. August 1948, sechs Wochen nach der Währungsreform, bei der jeder ein Kopfgeld von 40,00 DM erhielt, bei schönstem Sommerwetter das 2. Gaufest nach dem Krieg. Bei diesem Fest gab es zum erstenmal das Mittagessen ohne Lebensmittelmarken. Es war ein erfolgreiches Fest für den Verein, auch in finanzieller Hinsicht. Mit dem Erlös wurden neue Trachten für die Mädla beschafft und die Fahne konnte an die Fahnenstickerei Auer zur Reparatur gegeben werden.

Ab 1950 wurden wieder Heimatabende für unsere Urlaubsgäste veranstaltet. Mit Gesang, Jodlern, Schuhplattlern sowie Volks- und Figurentänzen wurde ihnen echtes Brauchtum gezeigt. Die Heimatabende waren teilweise so gut besucht, daß der Postsaal aus Platzmangel geschlossen werden mußte. In manchen Jahren wurden mehr als 10 dieser Veranstaltungen durchgeführt.

Ebenfalls 1950 wurde von 2. Gauvorstand Martin Geiger das Gausingen ins Leben gerufen. Regelmäßig dabei waren auch immer Gruppen unseres Vereins.

1951 beteiligten sich die Waldbergler mit elf Pferden, die mit viel Liebe geschmückt wurden, am Colomansritt in Schwangau. Mit dabei war auch die Fahnensektion.

Die eigentlich für 1951 geplante Feier des 30jährigen Bestehens unseres Vereins war wegen der damals grassierenden Maul- und Klauenseuche nicht möglich. Die Ehrungen der Gründungsmitglieder wurden daher auf den folgenden Trachtenball verschoben.

1952 nahm der Obere Lechgauverband mit der Fahnensektion der Waldbergler an der Enthüllung einer Gedenktafel in Baiernrain für Lehrer Joseph Vogel aus Bayrischzell teil. Er war der Gründer des ersten Trachtenvereins in Bayern im Jahre 1883.

Ein Jahr darauf übernahm der Verein den Transport der neuen Kirchenglocken vom Bahnhof in der Lusse ins Dorf mit festlich geschmückten Pferdegespannen, in Begleitung der Musikkapelle.

Nach vielen Jahren Pause wurde 1957 zusammen mit der Landjugend Roßhaupten ein Maibaum am Dorfplatz aufgestellt. Allerdings wurden 14 Tage später fast alle Zeichen durch ein schweres Unwetter zerstört. Durch eine Spendenaktion wurde es dann ermöglicht, die Schäden zu reparieren.