Die Chronik der "Lustigen Oberlandler"

Der Gebirgstrachten-Erhaltungsverein 
"Die lustigen Oberlandler" Wies 
wurde im Juni 1908 von

Gustav Pfeiffer, Leo Moser, Xaver Wörle und Ludwig Pfeiffer

im Gasthof Moser, Wies, gegründet!

Im gleichen Jahr kamen folgende Gründungsmitglieder hinzu:

Max Echtler

Peter Lutz

Sigismund Moser

Peter Pfeiffer

Mathias Moser

Josef Kempter

Josef Lory

Georg Lang

Sebastian Bertl

Ulrich Eicher

Franz Eicher

Anton Pröbstl

Anton Knapicht

Karl Geisenberger

Eduard Lotter

Josef Lang

Franz Hengstberger

Eduard Christa

Georg Hartmann

Gregor Lang

Georg Pfeiffer

Ulrich Pfeiffer

Peter Geiger

Johann Kempter

Wilhelm Kleinhans

Alfred Pfeiffer

Franz Straubinger

Konrad Petz

Georg Langdobler

 

 

 

So hatten die "Oberlandler" bereits im Gründungsjahr 33 Mitglieder und schlossen sich, unter 1. Vorstand Gustav Pfeiffer noch im selben Jahr dem Oberen Lechgauverband an.

All diese jungen Männer hatten es sich zur Aufgabe gemacht, Sitten und Gebräuche der Vorfahren im Volkslied, Volkstanz und Schuhplatteln zu erhalten. Und auch die Erhaltung der heimatlichen, bodenständigen Tracht gehörte zu ihren Zielen. Anfangs unterlag die Tracht noch keiner bestimmten Ordnung. Jeder trug was er hatte, die Männer teils Gamsbart und teils Pflaum, die Frauen geblümte oder weiße Schürzen und Schultertücher, bis schließlich die Tracht festlegt wurde, die wir auch heute noch tragen.

Das Trachtengwand wurde damals nicht nur zu festlichen Anlässen, sondern auch im Alltag getragen, wenn auch nicht immer zu ganz "legalen" Gelegenheiten, wie diese "Wilderer-Aufnahme" zeigt. Diese Art von gestellten Aufnahmen waren damals bei den Trachtenvereinen sehr beliebt und wurden z.B. als Postkarten in der Wies verkauft.

Unermüdlich waren die jungen Mitglieder. Sie besuchten Festlichkeiten wie Fahnenweihen und Gründungsfeste, ja man fuhr 1910 sogar bis nach Innsbruck zur Fahnenweihe mit dem Fahrrad, wozu der Verein einen Zuschuss von 25 Mark gab. Welch ein Idealismus muss in diesen Trachtlern gesteckt haben, in einer Zeit, in der man den Pfennig noch zweimal umdrehte, bevor man ihn ausgab. Die Beschaffung von Trachten und Instrumenten war sehr schwer, so dass manch einer aus finanziellen Gründen den Verein wieder verließ. Zu dieser Zeit betrug der Vereinsbeitrag jährlich 2 Mark. Bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 70 Pfennigen, keine Kleinigkeit, da auch die Tracht beschafft werden musste. Doch der Verein brauchte ja Geld, um sich wie viele andere Vereine eine Fahne kaufen zu können.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wurde es wieder ruhig im Vereinsleben. Leider kehrten 14 junge Trachtenkameraden, deren Namen leider nicht mehr festzustellen sind, nach dem Krieg nicht mehr in die Heimat zurück.

Doch schon im Oktober 1920, nahmen sich die vom Krieg heimgekehrten Trachtler, wieder der Trachtensach´ an.

Bereits am 5. Juni 1921 konnten die Oberlandler, mit Vorstand Xaver Wörle, die neue Fahne zur Weihe tagen. Finanziert wurde sie hauptsächlich durch die bei der Fahnenweihe verkauften Festzeichen, aber auch durch großzügige Spenden von Vereinsmitgliedern und Gönnern. Hergestellt worden ist die mit Wieskirche und Trachtenpaar bestickte Fahne von der Kunststickerei Auer in München. Pate stand unser Nachbarverein "D' Älpler" Trauchgau. Festkapelle war die Blaskapelle aus Riesen.

Am 12. August 1924 fand das 4. Obere Lechgaufest erstmals in der Wies statt. Durch einen langanhaltenden und besonders ausgiebigen Landregen ist dieses jedoch vollkommen versaut worden. Als Entschädigung hierfür konnte der Verein dann bereits 1929 vom Gau das 9. Obere Lechgaufest übernehmen, welches am 10./11. August gefeiert wurde. Diesmal hatte Petrus Erbarmen mit den Trachtlern und so konnte 1. Vorstand August Pröbstl bei strahlendem Sonnenschein Trachtler aus 22 Vereinen mit vier Musikkapellen begrüßen.

Am 6. August 1933 erstellte der Verein an der Kiesgrube ein Feldkreuz zum 25. Vereinsjubiläum und zum Gedenken an die vierzehn gefallenen Kameraden des Ersten Weltkrieges. Es war fast ausschließlich ein Verdienst des damaligen 1. Vorstandes August Pröbstl. Grund und Boden stellte der damalige Wieswirt und Vereinsmitglied Sigismund Moser, kostenlos zur Verfügung. Das Kreuz selbst wurde in der Kunstwerkstätte von Oskar Zwink in Oberammergau hergestellt. Die Mittel zur Beschaffung setzten sich aus freiwilligen Spenden und Zuwendungen von Gönnern und Mitgliedern zusammen. Die Einweihung nahm H. H. Pfarrer Hofmann aus Steingaden vor. Die Musikkapelle aus Urspring umrahmte die Feier.

Bei der Generalversammlung im November 1934 wurde Hans Holzmann als 1. Vorstand gewählt. Zu dieser Zeit wirkte sich auch die Macht des Dritten Reiches auf den Verein aus, denn damals mussten sich die Vereine des Landkreises Schongau dem Lechgau anschließen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde es langsam wieder ruhiger im Vereinsgeschehen. Es kam bis zum Ende des Krieges völlig zum Erliegen. Leider sind auch in diesem Krieg viele Vereinskameraden gefallen. Es waren:

Gilbert Moser

Sigi Moser

Heinrich Moser

Heinrich Lory

Sebastian Geisenberger

Josef Pfeiffer

Georg Noll

Georg Brennauer

Ludwig Schweiger

Gregor Lory

Hans Straub

Magnus Moser

 

Doch schon im Oktober 1946 konnte wieder eine Generalversammlung abgehalten werden, in der um allseitige Unterstützung gebeten wurde, da der Krieg eine große Lücke in den Verein gerissen hatte und noch viele Mitglieder in Gefangenschaft waren. Leider sind die Namen dieser in Gefangenschaft gefallenen nicht mehr bekannt. Nach dem Krieg schloss sich der Verein wieder dem Oberen Lechgauverband an.

1948 beschloss man, eine Christbaumfeier mit Versteigerung abzuhalten, um mit dem Erlös die Fahne renovieren lassen zu können. Die Taubstummenanstalt in Dilllingen übernahm den Auftrag und führte ihn zur Zufriedenheit aller aus. Auf dem Kreuzberg wurde die Fahne durch H. H. Pfarrer Merk aus Steingaden anlässlich einer Glockenweihe nachgeweiht.

1958 übernahmen die "Oberlandler" das 31. Gautrachtenfest und konnten gleichzeitig ihr 50. Vereinsjubiläum feiern. Acht Versammlungen wurden einberufen, um dem Fest ein gutes Gelingen zu ermöglichen. Mit der Unterstützung fast aller Mitglieder konnte ein Festzelt aufgebaut und der Ort festlich geschmückt werden. Am Vorabend zog der Verein mit seinen Ehrengästen unter den Klängen der Festkapelle Steingaden ins Festzelt. Die Trachtler hatten an diesen festlichen Tagen mit dem Wetter besonderes Glück. Schon der Kirchenzug gab eine Vorahnung von der Pracht des nachmittägigen Festzuges durch die Fluren rund um die Wies. H. H. Geistl. Rat Alfons Satzger wies in seiner Predigt auf die Werte der Heimat hin und auf die Heimatferne in Kriegstagen. Beim Festzug am Nachmittag nahmen 37 Vereine und 10 Musikkapellen teil.

Wie aus dem Protokoll hervorgeht, konnte der Verein 1958 erstmals acht vereinseigene Trachten kaufen, die durch das gute Abrechnungsergebnis des Gaufestes finanziert wurden.

Die Wieser Trachtler waren immer mit vollem Eifer für die Trachensach´ unterwegs. So besuchten sie an Pfingsten 1959 sogar das Gaufest beim Verein "Enzian" in Kaiserslautern mit zehn Trachtlerinnen und Trachtlern.

Beim Ulrichsritt 1961 auf dem Kreuzberg wurde eine neue Ulrich-Standarte geweiht, die von unseren Trachtlerinnen zur Weihe getragen wurde. Dieser Ritt mit seinen festlich geschmückten Oberländer Pferden ist auch heute noch ein wichtiger Termin bei uns Wiesern und eine schöne Tradition.

Am 15. Juni 1962 trat zum ersten Mal eine Jugendgruppe unseres Vereins anlässlich des Gaufestes in der Wildsteig auf. Das war der Beginn einer erfolgreichen Epoche im Vereinsleben, da man bisher der Jugendarbeit wenig Beachtung schenkte. Doch dass sich die Arbeit lohnte sah man bald bei den schneidigen Auftritten der Jugend.

1967 konnte unser 1. Vorstand Hans Holzmann im Gasthof Moser, Wies, seinen 60. Geburtstag und seine 32jährige Tätigkeit als Vorstand feiern. Bei diesem Anlass überreichte ihm 1. Gauvorstand Sepp Lory die goldene Ehrennadel des Oberen Lechgauverbandes. Ein Jahr später legte er das Amt nach 33 Jahren nieder.

In der folgenden Zeit stieg die Mitgliederzahl auf über hundert an und man nahm sogar an der Schlussfeier der Olympischen Spiele 1972 in München mit einemTrachtenpaar aus unseren Reihen teil.

Der 1. Preis beim Gruppenpreisplatteln 1975 in Seeg war für Vorplattler Konrad Niggl und seine Gruppe ein besonders schöner Erfolg.

Am 22. August 1976 führte unser Verein im Gasthaus Post in Steingaden den Jugendtag des Oberen Lechgauverbandes durch. 16 Plattler- und Musikgruppen boten den vielen Zuschauern echtes Brauchtum in sauberer Tracht.

Der Obere Lechgauverband übertrug unserem Verein das Gaufest 1978, das in Verbindung mit unserem 70jährigen Vereinsjubiläum gefeiert werden konnte. Am Freitag, den 28. Juli, fand ein Sänger- und Musikantentreffen statt. Bei viel Applaus der über 1100 Gäste zeigten die Gebrüder Rehm, die Bacher Dirndln, der Urspringer Dreigesang, die Furter Buam, die Leitenbauer Kinder und die Steingadener Tanzlmusi echte, gute Volksmusik. Nach dem Eröffnungsmarsch der Festkapelle Steingaden begrüßte 1. Vorstand Erhard Schnitzler am Festabend alle Besucher und Ehrengäste, unter ihnen auch eine Tachtengruppe aus Denver/ USA. Bei einer der Ausschußsitzungen machte Kurat Kirchmeir den Vorschlag beim Festgottestdienst von der Kanzel zu predigen. Begeistert von diesem Vorschlag versprach Gauvorstandes Toni Mayr, zum Heimatabend von Schwangau mit dem Fahrrad in die Wies zu kommen. Und wirklich, am Samstagabend fuhr ein einsamer Radler, der Gauvorstand, in die Wies! Das Wetter am Festsonntag war traumhaft schön. Der Männerchor und die Musikkapelle Steingaden gaben musikalisch der Messfeier einen würdigen Rahmen bei der Kurat Georg Kirchmeir von der Kanzel aus zu den Trachtlern predigte: "Auf geht´s, pack mer´s" und "Lant it lugg". Etwa 10 000 Zuschauer sahen den Festzug der 38 Trachten- und Heimatvereine, 17 Musikkapellen und der zehn Festwagen mit über 30 Oberländer Pferden mit ihren herrlichen Prunkgeschirren.

Am 6. Mai 1979 hatten wir das Jugenpreisplatteln in der Auerberghalle Bernbeuren durchzuführen, bei dem 301 Einzelteilnehmer und 18 Gruppen teilnahmen. Unser Verein konnte sogar 2 Jugengruppen stellen und alle konnten mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein. Am 16. September wurde dann das Aktivpreisplatteln im Gasthaus Post in Steingaden mit 100 Einzelteilnehmern und 8 Gruppen durchgeführt.

1982 beschloss der Verein eine neue Fahne zu kaufen. Die alte Fahne hatte uns 60 Jahre lang bei vielen Trachtenfesten, Hochzeiten, aber auch bei zahllosen traurigen Anlässen begleitet. Doch nun war die Seide zerschlissen und die Farbe verblasst, sodass sich eine Renovierung nicht mehr lohnte. So kaufte der Verein eine neue Fahne für 5400 DM die von der Fahnenstickerei Kössinger aus Schierling nahe Regensburg hergestellt worden ist. Bis auf kleine Änderungen wurde die neue Fahne wieder so wie die alte Fahne mit Wieskirche und Trachtenpaar bestickt. Die Fahnenweihe war Anlass genug ein Zelt aufzustellen und 3 Tage lang zu feiern. Den Heimatabend am Freitag gestalteten die Musikkapelle Steingaden, der Urspringer Dreigesang, unsere Aktivgruppe und natürlich unser Patenverein "Älpler" Trachgau gestaltet wurde. Beim Holzsägewettbewerb am Samstag nahmen 22 Gauvereine teil. Am Sonntag 27. Juni 1982 konnte dann die neue Fahne zur Weihe getragen werden. Unter den Klängen des Steingadner Männerchores und der Musikkapelle Steingaden übergab Fahnenmutter Anni Holzmann, damals ältestes weibliches Mitglied, das Fahnenband an den Fähnrich. Danach zogen alle ins Festzelt wo die Musikkapellen aus Steingaden, Prem und Wildsteig zu einem würdigem Festausklang aufspielten. Müde, aber glücklich gingen unsere Trachtler dann nach Hause mit der Gewissheit im Herzen eine schöne Fahnenweihe miterlebt und durchgeführt zu haben.

Als dann am 3. Juli 1983 "100 Jahre Trachtenvereine in Bayern" in München gefeiert wurde nahm auch der Obere Lechgauverband teil. Von unserem Verein waren 6 Jugendpaare und 23 aktive Mitglieder nach München gefahren. Dieser Festzug durch die Prachtstraßen der Landeshauptstadt war für alle ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis und zeigte auf eindrucksvolle Weise die ganze Vielfalt der Trachtenbewegung in Bayern.

Am 22. Juni 1986 fand beim Wieswirt zum ersten mal ein Gartenfest statt, dass die "Schnoadberg-Musikanten" musikalisch gestalteten. Der wunderschöne Platz unter schattigen Bäumen ließ bald eine sehr gute Stimmung aufkommen, sodass mancher länger blieb als er es sich vielleicht vorgenommen hatte. 1989 wurde das Gartenfest erstmals gemeinsam mit den Wieser Schützen durchgeführt. Die Wiedereröffnung der Wieskirche nach ihrer Renovierung 1991 war Anlass für den Oberen Lechgau eine Wallfahrt zur Wies und ihrem Gnadenbild zu machen. Nach dem feierlichen Gottesdienst sorgten dann wir Wieser Trachtler auf dem anschließenden Gartenfest für das leibliche Wohl der Wallfahrer. Seitdem findet jedes Jahr am Pfingstmontag die Gauwallfahrt des Oberen Lechgauverbandes statt. Und auch wir Wieser führen jedes Jahr das Gartenfest durch.

Anlässlich des 80jährigen Vereinsjubiläums wurde am Pfingstmontag den 23. Mai 1988 bei strahlendem Sonnenschein wieder ein Vereinsfoto gemacht. Wenn ein Mensch 80 Jahre alt wird, dann fehlt es oft da und dort, und es zwickt hint´ und vorn. Uns Wieser Trachtler haben die 80 Jahre nichts anhaben können. Der Verein stand da wie eigentlich noch nie zuvor, er hatte nie so viele Mitglieder und auch das Kassenpolster war bestens. Darum war es auch selbstverständlich, dass man das Jubiläum in einem würdigen Rahmen feiern wollte. Am Samstag den 20. Juni zelebrierte Geistl. Rat Georg Kirchmeir im Welfenmünster Steingaden einen feierlichen Gottesdienst. Mit dabei waren auch unser Patenverein "Älpler" Trauchgau und die Nachbarvereine "Lechtaler" Urspring und "Almfrieden" Steingaden, sowie die Musikkapelle Steingaden, die dann auch die anschließende Feier im Gasthof Post musikalisch gestaltete.

Am 20.- 21. August 1988 fand in Innsbruck wieder das Bundestrachtenfest statt und auch 23 Wieser waren der Einladung gefolgt. Schon 75 Jahre zuvor sind Wieser Trachtler nach Innsbruck gefahren. Damals jedoch mit dem Fahrrad. Sicher wird die Fahrt damals viel länger gedauert haben, schon wegen der vielen Wirtshäuser auf dem Weg.

1998 übernahmen wir Wieser das 78. Gautrachtenfest des Oberen Lechgau und begingen dabei auch unser 90 jähriges Gründungsjubiläum feiern. Gefeiert wurde vom 24. bis 26. Juli mit einem Bayrisch-Allgäuer Sänger- und Musikantenabend und am Samstag mit dem Gauheimatabend. Am Sonntag konnte nach dem Festgottesdienst bei strahlendem Sonnenschein der Festzug durchgeführt werden, an dem 38 Vereine, 20 Musikkapellen und 15 Festwagen mitwirkten. Am Abend ließen wir das Fest gemütlich im Festzelt ausklingen.

 

 

Wir "Wieser" Trachtler wollen versuchen, das von unseren Vätern und Großvätern geschaffene Erbe, Sitt´ und Brauchtum zu erhalten und zu bewahren. Unser Verein zählt zur Zeit 168 Mitglieder.

Die Vorstände unserer Vereinsgeschichte waren:

Gustav Pfeiffer

Xaver Wörle

August Pröbstl

Hans Holzmann

Erhard Schnitzler

Heinrich Gschmeißner

Manfred Susanek (amtierend)